Brasilien produziert jede dritte Kaffeebohne der Welt. Minas Gerais, Cerrado Mineiro und Mogiana im Porträt: flache Plantagen, mechanische Ernte, Natural und Pulped Natural und das typische Profil aus Nuss, Schokolade und wenig Säure.
Geschmacksprofil
Typische Noten
HaselnussMilchschokoladeKaramellErdnussRoter Apfel
Erntezeit
Brasilien ist der Gegenentwurf zu Äthiopien: statt Waldgärten weite, flache Plantagen, statt Handlese Erntemaschinen, statt 2.000 Metern oft nur 900. Und trotzdem entstehen hier Kaffees, die die Welt liebt, weil sie tun, was ein Kaffee morgens tun soll: schmecken nach Nuss, Schokolade und Süße, ohne Ecken.
Die Regionen
Minas Gerais liefert die Hälfte der brasilianischen Ernte. Der Cerrado Mineiro ist eine Hochebene mit trockenen Wintern und klar getrennten Jahreszeiten, ideal für Naturals mit Nuss und Karamell. Der Sul de Minas ist hügeliger und süßer, die Mogiana an der Grenze zu São Paulo liefert vollmundige Kaffees mit Schokolade. In der Chapada Diamantina in Bahia und in Espírito Santo wachsen zudem große Mengen Robusta, hier Conilon genannt.
Aufbereitung
Brasilien trocknet die meiste Ernte mit der ganzen Frucht auf Patios, das Verfahren Natural. Das trockene Klima nach der Ernte macht das möglich. Der Kaffee nimmt dabei Süße und Körper an. Beim Pulped Natural, auch Honey genannt, wird die Schale entfernt, das Fruchtfleisch bleibt beim Trocknen an der Bohne. Das Ergebnis ist sauberer als ein Natural und süßer als ein gewaschener Kaffee.
Ernte
Von Mai bis September, in der Trockenzeit. Auf den flachen Plantagen fahren Erntemaschinen durch die Reihen und schütteln die Kirschen ab. Das ist billig, aber die Maschine unterscheidet nicht zwischen reif und unreif. Spezialitätenfarmen ernten deshalb von Hand oder sortieren nach der Ernte optisch nach.
Warum Brasilien in jeder Espressomischung steckt
Wenig Säure, viel Körper, viel Süße, gleichmäßige Qualität und ein guter Preis: Brasilien ist die Basis der meisten italienischen Espressomischungen. Er trägt die Crema und den schokoladigen Kern, während Kaffees aus Zentralamerika oder Afrika die Frucht beisteuern. Auch mit Milch funktioniert Brasilien besser als fast jede andere Herkunft.
Die Kehrseite
Brasilien bestimmt den Weltmarktpreis. Ein Frost in Minas Gerais, wie 2021, lässt den Kaffeepreis weltweit steigen. Und die Ausdehnung der Plantagen in den Cerrado hat Savanne gekostet, die als Kohlenstoffspeicher fehlt. Bei der Kaufentscheidung lohnt der Blick auf Zertifikate und Direktimporte.
Häufige Fragen
Wie schmeckt brasilianischer Kaffee?
Nussig, schokoladig und süß mit wenig Säure und vollem Körper. Ideal für Espresso und Milchgetränke.
Was ist Pulped Natural?
Eine brasilianische Aufbereitung, bei der die Schale entfernt wird, das Fruchtfleisch aber beim Trocknen an der Bohne bleibt. Vergleichbar mit dem Honey-Verfahren in Zentralamerika.
Teilen



