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Ratgeber · Siebträger

Espresso zubereiten: Das Rezept, das wirklich funktioniert

7 Minuten Lesezeit·

Espresso in 25 bis 30 Sekunden: Brühverhältnis 1:2, 18 Gramm rein, 36 Gramm raus, 93 Grad. So stellst du Mahlgrad, Dosis und Zeit ein und erkennst, woran ein saurer oder bitterer Shot liegt.

Kurz gesagt

  • Brühverhältnis 1:2 als Startpunkt: 18 g Kaffee, 36 g Espresso in 25 bis 30 Sekunden.
  • Nur eine Variable auf einmal ändern, zuerst den Mahlgrad.
  • Sauer heißt unterextrahiert (feiner mahlen), bitter heißt überextrahiert (gröber mahlen).

Ein Espresso ist ein Rezept mit fünf Zutaten: Kaffeemenge, Wassermenge, Zeit, Temperatur und Mahlgrad. Vier davon kannst du messen. Die fünfte, den Mahlgrad, tastest du dich heran. Wer das versteht, braucht keine Geheimtipps mehr.

Das Grundrezept

Starte mit dem Verhältnis 1:2. Das heißt: 18 Gramm gemahlener Kaffee im Doppelsieb, 36 Gramm Espresso in der Tasse, und zwar in 25 bis 30 Sekunden ab dem Einschalten der Pumpe. Eine Waage mit Zehntelgramm-Anzeige und eine Stoppuhr sind dafür wichtiger als jedes Zubehör aus Edelstahl.

  1. Sieb trocken auswischen, 18 Gramm frisch mahlen, den Kaffee im Sieb mit einem Nadelverteiler oder durch leichtes Klopfen ebnen.
  2. Gerade tampen, mit ruhigem Druck. Wie fest, ist fast egal, solange es jedes Mal gleich ist.
  3. Siebträger einspannen, Waage unter die Tasse, Pumpe starten und die Uhr mitlaufen lassen.
  4. Bei 36 Gramm stoppen. Zeit notieren.

Wie du den Shot liest

Die ersten Tropfen sollten nach sechs bis zehn Sekunden kommen, dunkel und zäh wie Honig, dann heller und dünner werden. Läuft es sofort in einem dünnen Strahl, ist der Mahlgrad zu grob. Tropft es nach 15 Sekunden noch, ist er zu fein.

Regel: Ändere immer nur eine Variable. Erst den Mahlgrad, bis die Zeit stimmt. Dann die Dosis, wenn der Körper fehlt. Zuletzt die Temperatur.

Sauer oder bitter?

Schmeckt der Espresso sauer, spitz und dünn, hat das Wasser zu wenig aus dem Kaffee gelöst. Das nennt man Unterextraktion. Mahle feiner oder verlängere die Zeit. Schmeckt er bitter, trocken und aschig, hat das Wasser zu viel gelöst. Mahle gröber oder stoppe früher. Bitter und sauer zugleich deutet auf Channeling hin: Das Wasser hat sich einen Kanal durch den Kaffeepuck gesucht. Dann hilft eine bessere Verteilung vor dem Tampen.

Temperatur und Röstung

Helle Röstungen brauchen mehr Wärme, 94 bis 96 Grad, weil ihre Zellstruktur dichter ist. Dunkle Röstungen sind poröser und werden bei 90 bis 92 Grad runder. Wenn deine Maschine keine Temperatureinstellung hat, kannst du mit einem Leerbezug vor dem Shot etwas Wärme abführen oder aufbauen.

Wann das Rezept nicht mehr passt

Frisch geröstete Bohnen gasen aus. In den ersten fünf bis sieben Tagen nach dem Röstdatum bildet sich viel Crema, der Shot läuft aber unruhig. Ab Tag zehn wird er stabiler. Etwa ab Woche fünf musst du wieder feiner mahlen, weil die Bohne trockener wird. Notiere Röstdatum und Mahlgradposition, dann findest du jedes Mal schnell zurück.

Die häufigsten Fehler

  • Vorgemahlener Kaffee: Nach zehn Minuten sind die flüchtigen Aromen weg. Ohne eigene Mühle ist ein guter Espresso Glückssache.
  • Kalte Tasse: Ein Espresso hat 36 Gramm. Eine kalte Tasse zieht ihm sofort zehn Grad ab.
  • Ungeduld: Der Siebträger braucht 15 bis 25 Minuten, bis Kessel und Brühgruppe warm sind.

Häufige Fragen

Wie viel Gramm Kaffee gehören in einen Espresso?

In ein Doppelsieb gehören 16 bis 20 Gramm, als Startwert 18 Gramm. Einzelsiebe sind mit sieben bis neun Gramm deutlich schwieriger gleichmäßig zu extrahieren.

Warum hat mein Espresso keine Crema?

Meist ist der Kaffee zu alt oder zu grob gemahlen. Crema entsteht aus dem Kohlendioxid frisch gerösteter Bohnen. Sechs Wochen nach dem Röstdatum ist davon kaum noch etwas übrig.

Wie lange sollte ein Espresso laufen?

25 bis 30 Sekunden für 36 Gramm aus 18 Gramm. Helle Röstungen dürfen auch 32 bis 35 Sekunden laufen.